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Windows 10: Nur keine Eile, oder doch?

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Kachelsystem und die Rückkehr des Startmenüs:
Windows 10 ist umstritten. Bild: Keystone

Noch einen Monat ist das Upgrade auf Windows 10 gratis. Dann kostet es 150 Franken. So richtig warmgeworden sind Nutzer mit dem neuen System noch nicht. Wirklich viel spricht aber nicht dagegen.

Erschienen in der Berner Zeitung 29. Juni 2016

Da läuft irgendein Countdown. Das werden alle, die Windows 7 oder 8 nutzen, bemerkt haben. Die penetranten Aufforderungen mittels Pop-up-Fenster – Up­grade! Upgrade! – nerven ganz schön. Gleichzeitig ist das Ganze ja schon auch verlockend. Denn jetzt ist die Aufrüstung auf die neue Version des weitverbreiteten Betriebssystems noch gratis. Nach dem 29. Juli aber kostet ein Upgrade auf Windows 10 um die 150 Franken.

Tipptopp – scheinbar

Der Autor dieser Zeilen ist ein Windows-Nutzer. Bereits vor Monaten konnte er der Upgrade-Aufforderung nicht mehr widerstehen. Das war an einem Samstagmorgen. Er hatte eine Woche Ferien vor sich. Zum Glück!

Zuerst das Wichtigste: Unbedingt ein Back-up machen. Das raten auch alle einschlägigen Websites. Das hat der Autor getan. Wie sich zeigte, nur um die Nerven zu beruhigen. Am Schluss war alles an seinem Platz. Und auch sonst lief das Upgrade erstaunlich reibungslos ab. Hat man dem Button einmal geklickt, macht der Computer alles selber. Der Kasten rattert, fährt runter, wieder hoch, dann wieder runter, immer vermeldet der Bildschirm, was gerade passiert. Das dauert etwa einen Tag. Dann meldet man sich im Startbildschirm mit der E-Mail-Adresse an, und alles funktioniert tipptopp – scheinbar.

Mit dem 29. Juli geht das erste Jahr des neuen Betriebssystems zu Ende. So richtig eingeschlagen hat es aber noch nicht. Es gibt etwa 1,5 Milliarden Windows-Nutzer weltweit. Microsoft selber vermeldet an die 300 Millionen Geräte, die bereits mit dem neuen Betriebssystem laufen. Das un­bescheidene Ziel des Konzerns: eine Milliarde Geräte bis 2018.

Zaghafte Nutzer

Dass noch nicht alle umgestiegen sind, liegt gerade auch an den nervigen Aufforderungen zum Gratis-Upgrade. Negativschlagzeilen gab und gibt es, weil Microsoft Windows 10 als «empfohlenes Update» einstuft, was teilweise dazu führte, dass das Betriebs­system automatisch installiert wurde. Und noch zwei andere Gründe lassen die Nutzer zögern. Erstens: Zumindest Windows 7 funktioniert gut. Wieso also wechseln? Viele warten, bis sie sowieso ein neues Gerät brauchen. Zweitens: Es gibt keinen Weg zurück. Einmal ein Upgrade gemacht, sind die alten Systeme Geschichte. Im Handel gibt es von Windows 7 und 8 nur noch Restposten.

Wer doch an den Alten festhalten will, kann das auch weiterhin tun. Für Windows 7 gibt es noch bis 2020 regelmässige Updates und Support, für 8 noch bis 2023.

Der Autor aber, der konnte eben nicht warten. Alles lief tipptopp für ihn – bis er ins Internet wollte. Wie sich herausstellte, kann es vorkommen, dass gewisse Anbieter von etwa Wifi-Adaptern sich noch nicht auf Windows 10 eingestellt haben. Soll heissen: Kein Treiber auffindbar. Ein Anruf bei Microsoft ergab: «Da können wir nichts tun. Wenden Sie sich an den Geräteanbieter», so die abgehackte Antwort.

Diese aber haben oft kein Interesse, Zeit in die Entwicklung neuer Treiber für alte Geräte zu investieren. Das kann auch bei Druckern oder Scannern der Fall sein. «Das sind aber die wenigsten», sagt Microsoft auf Anfrage.

Das sicherste Windows

Abgesehen davon, dass der eine oder andere Treiber nicht kompatibel ist, gibt es durchaus Gründe, den Upgrade-Schritt zu wagen. Nicht nur, weil die Umstellung gratis ist und auch nachher keine Kosten mehr auftauchen. Sondern auch, weil es Neuerungen gibt, auf die gerade Nicht-Apple-Nutzer lange gewartet haben. So kann mit Windows 10 etwa mit einem Klick vom Desktop- in den Tablet-Modus gewechselt werden. Das bedeutet auch, dass sich das Betriebssystem allen Geräten anpasst. Somit kann der Nutzer überall in derselben Umgebung arbeiten und auf alle Dokumente und Daten zugreifen.

Und weil heute vor allem das Smartphone im Mittelpunkt steht, funktioniert auch Windows 10 neu mit Apps. Dies wiederum wird die Entwicklung von sogenannte Universal-Apps für Windows-Systeme ankurbeln. Das wird vor allem jene freuen, die ein Microsoft-Phone besitzen. Denn Apps für diese Sorte Smartphone sind rar.

Windows 10 wird also einiges auslösen. Und wahrscheinlich wird es lange Zeit bei der Nummer 10 bleiben. Denn anders als bei den Vorgängern wird das neue Betriebssystem kontinuierlich weiterentwickelt und ist dadurch eher eine Dienstleistung als ein Produkt. Laut Microsoft ist Nummer 10 das bisher sicherste Windows. Ab dem ersten Systemstart wird das Gerät mit laufend neuen Sicherheitsfeatures vor Viren, Schadsoftware und gegen Phishing-Versuche geschützt.

Und was ist mit dem internetlosen Autor? Er suchte eine halbe Woche lang nach einem Adapter, der von Windows 10 erkannt wird. Mit dem vierten Exemplar klappte es. Seither gab es keine Probleme mehr.

Veröffentlicht inLeben