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Bitcoins auf Papier

bitcoins

Im Berner Untergrund: 
Der erste Bitcoin- Automat der Stadt Bern
steht in der Billardhalle an der Seiler­strasse.
Bild: Stefan Anderegg

Die ominöse Internetwährung Bitcoins erobert mehr und mehr auch die analoge Welt. Zum Beispiel mit einem Bitcoin-Automaten in Bern.

 

Erschienen in der Berner Zeitung 15. Juni 2016

Will man sich in der analogen Welt Bitcoins (BTC) besorgen, muss man hinabsteigen – in den Berner Untergrund. Ins Billardcenter City an der Seilerstrasse, um genau zu sein. Der dunkle Kasten mit dem leuchtenden Bildschirm steht gleich beim Eingang neben einem Zigarettenautomaten.

Der Standort des ersten Bitcoin-Automaten der Stadt Bern passt gut zum Ruf dieser ominösen Internetwährung (siehe Kasten). Geld der Kriminellen wird sie geschimpft. Das hat seinen Grund. Als die digitalen Batzen erstmals auftauchten, das war 2009, wurden sie vor allem im Darknet – also im Internet hinter dem Internet – gebraucht. Unter anderem, um Illegales zu kaufen: Waffen, Drogen, Auftragsmörder, solche Sachen eben.

Heute ist das anders. Derzeit sind gegen 15 Millionen Bitcoins weltweit im Umlauf. Das entspricht etwa zehn Milliarden Schweizer Franken. Ein Bitcoin ist um die 700 Dollar wert. Mit Bitcoins kann man sich heute Essen kaufen, Kleider, Gartenzubehör, man kann sich Flüge buchen oder Hotelzimmer reservieren. In der Stadt Zug ist es möglich, Gebühren bis 200 Franken mit Bitcoins zu bezahlen. Die digitale Währung scheint in der analogen Welt angekommen zu sein. Da überrascht es nicht, dass es nun auch Bitcoin-Automaten gibt. Fünf sind es schweizweit. Und einer steht eben in Berns Untergrund.

Analoges in digitales Geld zu verwandeln ist erstaunlich simpel: 20er-Nötli in den Schlitz rein, auf dem Touchscreen ein paar Geschäftsbedingungen akzeptieren, und schon kommt im Gegenzug ein Papierstreifen aus dem Kasten. Einer mit vielen Zahlen drauf, mit Hinweisen auf Englisch und zwei QR-Codes. Gemäss dem Streifen haben diese 20 Schweizer Franken 0,03348566 BTC ergeben. Aber was tun mit dem Zettel? Internetrecherchen zeigen: Mit dem Zettel an sich kann man nichts anfangen. Höchstens aufbewahren als eine Art Sparschwein (siehe Grafik). Will man die Coins ausgeben, braucht man ein Bitcoin-Konto. Einen digitalen Geldbeutel, genannt Wallet. Wie zum Teufel kommt man zu so einem Wallet?

Ein Anruf bei der Firma, die den Bitcoin-Automaten überhaupt erst in die Billardhalle installieren liess, liefert Antworten. Fabian Hediger ist Head of Trading bei der Bitcoin Suisse AG in Baar. Er sagt: «Ein Wallet lädt man am besten auf das Smartphone, via App-Store.» Gesagt, getan. Damit jetzt die 20 Franken vom Zettel endgültig in die digitale Welt überführt werden können, muss der private QR-Code mit der App gescannt werden. Gesagt, getan.

Prompt kommt die Meldung: Sie haben 0,033 Bitcoins erhalten. Und darunter steht: 19 Franken. Hö? Hediger: «Diese Bitcoin-Automaten müssen unterhalten werden.» 5 Prozent beträgt die Gebühr. Wucher? Hediger: «Wir sind noch am Anfang. Es wird immer günstiger.»

Und jetzt? Was kann man mit 0,033 Bitcoins anstellen? Die Möglichkeiten sind wie das Internet: endlos. Weltweit gibt es rund 100 000 Internethändler, die Bitcoins akzeptieren. In der Schweiz gibt es zwischen fünfzig und sechzig Geschäfte und in der Region Bern gerade mal zwei: Der Velokurier und ein Laden in der Stadt, der Greenville Gardening heisst und alles für das Gärtnern anbietet. Für den Schweizer Alltag sind Bitcoins aber nicht geschaffen worden. Das weiss auch Fabian Hediger: «Für lokale Einkäufe haben Bitcoins keine Vorteile, da können Sie gleich mit Schweizer Franken bezahlen.»

Bitcoins werden erst interessant, wenn es über die Landesgrenzen hinausgeht. Sie können nämlich blitzschnell, währungsgebührenfrei überallhin überwiesen werden. «In der Schweiz haben wir eine ausgezeichnete Infrastruktur», sagt Hediger. Hier machten Bitcoins wenig Sinn. Nur gibt es etwa eine Milliarde Menschen auf der Welt, die Zugang zum Internet, aber zu keinem Banksystem haben. Deren Leben könnten Bitcoins verändern.

Was also tun mit den 0,03 BTC, in der Schweiz, in Bern? Das Darknet ist eine Büchse der Pandora. Die will man nicht öffnen. Und sowieso: Sich Drogen per Post zustellen zu lassen, war schon immer eine blöde Idee. «Spenden Sie es», schlägt Hediger vor. Viele Hilfsorganisationen würden bereits Bitcoins akzeptieren. Gesagt. Getan. Die Organisation Kindertraum hat 20 Franken in Bitcoins erhalten, via einen QR-Code auf ihrer Website. Blitzschnell, still und heimlich. Ein gutes Gefühl.

 

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BITCOINS – EINE DIGITALE WÄHRUNG

Blitzschnell, anonym und irgendwie schwer zu erklären

Bitcoins sind Münzen aus Bits und Bytes, also virtuelles Geld. Jeder Mensch mit einer Internetverbindung
kann es sich kaufen. 
Die digitale Währung wurde 2009 als Antwort auf die kriselnde Finanzwelt erfunden.
Lanciert hatte die Idee ein gewisser Satoshi Nakamoto. Seine wahre Identität ist bis heute unbekannt.

Nichts weniger als eine Revolution auf dem Finanzmarkt war das Ziel: eine komplett unabhängige Währung.
Bitcoins funktionieren ohne Staat und ohne Zentralbank.  Deshalb fallen bei Überweisungen
auch kaum Gebühren an. 

Doch begünstigt die Währung laut Kritikern auch Geldwäsche
und sonstige illegale Geschäfte, 
gerade weil sie unabhängig ist und sich daher den offiziellen Kontrollstellen
entzieht. Die Kontrollfunktion übernehmen die Nutzer selber. Ein komplexes Verschlüsselungssystem
garantiert 
Sicherheit und Anonymität. Jede Transaktion wird registriert und ist für jeden Nutzer
immer einsehbar. Jedoch ohne Namen, sondern nur mit einer 32-stelligen Bitcoin-Nummer.

Über 100 000 Internethändler akzeptieren diese digitalen Münzen bereits.
Wie andere Währungen auch, können Bitcoins gehandelt werden, etwa an entsprechenden Börsen
oder auf Onlinemarktplätzen. Der Kurs ist extrem schwankend, da der Wert der Währung nur
durch Angebot und Nachfrage bestimmt ist. Am Anfang etwa gab es für 10 000 Bitcoins
gerade mal zwei Pizzas. 
Im Moment entspricht ein Bitcoin rund 700 Dollar.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, zu Bitcoins zu kommen.
Auf spezialisierten Handelsplattformen im Internet kann man die digitalen Münzen
per Überweisung im Prepaidverfahren kaufen. Oder man wechselt seine
Franken am Bitcoin-Automaten (siehe Haupttext).

Bitcoins entstehen in einer eigens dafür geschaffenen Software. Mit einem entsprechenden Programm
kann man den eigenen Computer in dieser Software nach Zahlenkombinationen suchen lassen.
Ähnlich wie wenn man in einem Stollen nach Gold schürft. Die Stromkosten,
die ein Computer für das Errechnen eines Bitcoin verursacht, übersteigen inzwischen den Wert
einer einzelnen digitalen Münze.

Die Gesamtmenge an Bitcoins, die generiert werden kann, ist auf 21 Millionen Stück begrenzt.
Am Anfang konnten alle 10 Minuten 50 Bitcoins errechnet werden, inzwischen sind es nur noch 25.
In einem Monat wird die Bitcoin-Produktion erneut halbiert.
Dies passiert so lange, bis 21 Millionen Einheiten erreicht sind. Dadurch, dass Bitcoins begrenzt sind,
ist etwa eine politisch gewollte Geldvermehrung nicht möglich.

Veröffentlicht inLeben