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Deprimierende Orte

Heute: Bushaltestelle Eyfeld, Ittigen. Richtung Bern.

Das Wetter dort ist wechselhaft. Immer. Eine Bise pfeift einem um die Hinterbacken. Immer. Und wenn es regnet, regnet es horizontal. Die Strasse davor ist ein Graus. Es hat Pfützen, die einen anspucken, wenn ein Auto vorbeifährt. Und glaube Sie mir, es fährt immer ein Auto vorbei. Laut der Anzeige kommt der Bus in acht Minuten, immer erst in acht Minuten. Auch nach einer Viertelstunde sind es noch acht Minuten.

Niemand wartet gern. Und ich, ich warte noch ungerner. Warten deprimiert mich. Nach der dritten Zigarette wird mir schlecht. Dann gehe ich auf und ab. Auf und ab. Dann betrachte ich die Umgebung.

Industriegebiet. Fassaden: taubengrau. Flachdächer: taubengrau. Zufahrtsstrassen: mausgrau. Auf der anderen Strassenseite: Parkplätze, nichts als Parkplätze, je nach Licht maus- oder taubengrau. Daneben ein Haus aus Glas und Metall, die Gebäudeversicherung Bern. Ah ja. Und ein Restaurant gibt es auch, das Bellevue. Aber der Name ist eine rabenschwarze Lüge.

Hinter mir: Lagerhallen, Garagen, Werkhöfe. Hier die blaue Anschrift eines Ersatzteilherstellers für Landmaschinen. Dort die rosarote Reklame für Babyrose. Auch so ein Laden zwischen Parkplätzen. Hier gibt es Kindersitze und allerlei Zeugs für Mütter, die es ernst meinen. TCS geprüft. Den hat es dort übrigens auch. Eine TCS-Prüfstelle mit Waschanlage. Dazwischen ein paar Bäume. Doch grün sind die nicht. Nie! Splitterfasernacktes Gerippe. Unbelaubte Skelette, die im Wind zittern. An der Bushaltestelle Eyfeld ist immer November und der Bus kommt immer erst in acht Minuten.

 

 

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