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Der Löwen ist wieder erwacht

 Bilder: Urs Baumann

In einer Woche wird der Gasthof Löwen in Grosshöchstetten nach zwei Jahren Pause neu eröffnet. Besonders der neue Gewölbekeller ist ein Höhepunkt. Er soll künftig auch als Kulturlokal dienen.

Veröffentlich in der Berner Zeitung am 24.05.2015. Zum Online-Artikel.

Fast zwei Jahre lang liess man den «Löwen» schlafen. Ungestört lag er beim Kreisel im Zentrum von Grosshöchstetten und gab keinen Mucks von sich. Jetzt, nach sechs Monaten Umbauarbeit, ist er wieder erwacht. Am 1.Juni wird der Gasthof Löwen neu eröffnet. Bereits im Vorfeld konnten Interessierte einen Augenschein nehmen. Während des Dorfmärits servierten der neue Wirt Josef Bieler und sein Team Paella über die Gasse und öffneten die Türen des Gasthofs für die Öffentlichkeit.

Dass es Paella gab, kommt nicht von ungefähr. Der neue Wirt hat sich ganz der mediterranen Küche verschrieben. Künftig wird es auf der Karte sowohl Meeresfrüchte und Fisch als auch Fleisch und Gerichte mit typisch mediterranem Gemüse und Kräutern haben. «Wichtig ist, dass wir etwas bieten, was es im Dorf noch nicht gibt», erklärt Bieler. Auch auf die Wahl der Produkte werde grosser Wert gelegt, sagt er. So sollen es wenn möglich Bioprodukte aus der Region sein.

Kultur im Gewölbekeller

Der Muriger Geschäftsmann Michael Elsässer ist der neue Besitzer des Gasthofs. Er und seine Frau Caroline sind die Urheber des neuen Löwen-Konzepts. Sie führen die zahlreichen Interessierten durch die Räumlichkeiten. Der neue Gewölbekeller ist dabei ein Höhepunkt. Über eine Sandsteintreppe betritt man von der Strasse her die alten Gemäuer. Hinten in der Ecke flackert ein Feuer in einem Cheminée.

Michael Elsässer steht davor und erklärt: «Vorher war das einfach ein Keller. Jetzt kann hier gegessen, getrunken, aber auch musiziert und diskutiert werden.» Der charmante Keller soll künftig auch für kulturelle Anlässe Platz bieten. Zudem kann er für private Anlässe gemietet werden.

Eine Sämerei im Fumoir

Von aussen gesehen wirkt es beinahe so, als hätte sich kaum etwas verändert. Dies war dem neuen Besitzer auch ein Anliegen. Das Gebäude aus dem Jahr 1757 steht unter Denkmalschutz. So wurde beim Umbau möglichst viel von den ursprünglichen Materialien und Strukturen beibehalten.

Dach und Fassade wirken noch immer wie einst vor gut 250 Jahren. Im Innern musste ebenfalls nicht alles Alte dem Neuen weichen. So blieb etwa die Gaststube fast unangetastet. Sogar die Lampenschirme sind die gleichen. Und auch die Theke präsentiert sich in alter Frische. Dafür wurde ein neuer Boden verlegt, und auch die Wände bekamen einen neuen Anstrich. Wo einst das Säli war, ist jetzt die Küche. Und im ehemaligen Fumoir befindet sich neu ein Laden − die sogenannte Sämerei.

Dort können Samen von Pro Specie Rara gekauft werden. Die Organisation setzt sich für die Bewahrung von bedrohten Kulturpflanzen und Nutztieren ein. Michael Elsässer schwebt vor, dass die raren Produkte künftig auf Höfen in der Region angebaut werden und dann auch im Gasthof auf den Tellern landen.

Zimmer noch im Bau

Der altehrwürdige Löwen ist für seinen neuen Lebensabschnitt also startklar. Hinter dem Gasthof aber wird noch gearbeitet. Wo früher einmal der Löwensaal war, entsteht derzeit ein Wohnhaus mit sechs altersgerechten Wohnungen. Darunter befindet sich eine Einstellhalle mit acht Plätzen im Bau.

Auch in den oberen Stockwerken des Gasthofs sind noch Handwerker im Einsatz. Hier wird es ebenfalls Mietwohnungen und drei Hotelstudios geben. Spätestens im August sollen die Zimmer bezugsbereit sein.

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