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Der Stern, der fast vergessen ging

 Bild: Andreas Blatter

Während der Sanierung der Kirche wurde auf dem Dachboden ein mit Gold überzogener Stern gefunden. Vor sechzig Jahren zierte er die Kirchturmspitze im Dorf. Jetzt soll er wieder montiert werden. Noch aber fehlt das Geld.

Veröffentlich in der Berner Zeitung am 13.05.2015. Zum Online-Artikel.

Die Risse an den Wänden und der Decke sind weg. Die Kanzel ist abgeschliffen und neu lackiert. Das Zifferblatt der Kirchenuhr wurde erneuert. Die modernen LED-Lampen sind installiert. Das gesamte Gebäude ist neu gestrichen. Nach gut einem Jahr ist die Kirche in Grosshöchstetten fertig saniert − also fast. Denn ein Detail, und für den Präsidenten der Baukommission, Jakob Zumbrunnen, ein wichtiges, fehlt noch: ein eineinhalb Meter grosser Stern aus Kupfer mit Goldlegierung − oben auf der Kirchturmspitze. «Ohne diesen Stern ist für mich die Arbeit nicht fertig», so Zumbrunnen.

Er ist nicht der Einzige, der den Stern vermisst. «Der Stern gehört zu der Kirche dazu» sagt etwa der ehemalige Kirchgemeindepräsident Johannes Flückiger. Auch für den ehemaligen Sigristen der Kirche Grosshöchstetten, Eduard Jegerlehner, ist der Stern wichtig: «Richtig geglänzt hat er, wenn die Sonne schien», sagt er. «Der Stern fehlt.» Therese Zürcher ist gleich neben der Kirche aufgewachsen. Auch ihr bedeutet der Stern viel: «Ich habe ihn immer gern gehabt.» Es habe sie traurig gemacht, als er plötzlich verschwunden sei. Aber was hat es denn mit dem Stern auf sich?

Er landete sicher im Schnee

Anfang der 1950er-Jahre versah die damalige Spenglerei Kläy in einem gemeinsamen Projekt mit den Lehrwerkstätten Bern die Kirche mit einem neuen Kupferdach. Der Stern war sozusagen das i-Tüpfelchen dieses Projekts. Danach zierte er gut zehn Jahre lang die Kirchturmspitze.

Bis er Anfang der 60er−Jahre buchstäblich vom Himmel fiel. Ein Wintersturm riss ihn aus seiner Verankerung. Eduard Jegerlehners Vater, der damals Sigrist war, fand den Stern. Er lag neben der Kirche im Schnee, fast unversehrt. «Der Schnee hat ihn gerettet», sagt Eduard Jegerlehner. Sein Vater brachte den Stern daraufhin der Spenglerei Kläy zur Reparatur.

Mit der Bemerkung, dass der Stern wieder montiert werden solle, wenn wieder einmal etwas an dem Dach gemacht werde. Nur kam es nie dazu. Der Stern lag fast drei Jahrzehnte bei der Spenglerei.

Dann löste sich der Betrieb Anfang der 1990er-Jahre auf, und Karl Kläy brachte den Stern der Kirche zurück. Einige Jahre stand er für alle Kirchenbesucher gut sichtbar unter der Empore. Irgendwann − die Gründe dafür liegen im Dunkeln − landete der Stern auf dem Dachboden der Kirche. Dort blieb er bis ins Jahr 2014 halb vergessen liegen. Bis ihn der Baukommissionspräsident Jakob Zumbrunnen während der Renovationsarbeiten wieder entdeckte.

Spenden für den Stern

Leider aber war das Schmuckstück nicht in das Sanierungsprojekt eingeplant. Daher fehlen nun die Mittel dazu, den Stern an seinen Platz − gut 60 Meter über dem Boden − zurückzubringen.

Der Kirchgemeinderat will den Stern aber nicht fallen lassen. Bereits hat er die Baukommission beauftragt, die Kosten für dessen Restaurierung und Montage zu ermitteln. Fabio Stalder von der Firma Stalder AG aus Zäziwil hat sich dem angenommen. Die nötigen Löt- und Montagearbeiten würde er selber übernehmen, als Sponsoringbeitrag, sagt Stalder. Die Goldlegierung, die man von einer Firma im luzernischen Littau machen lassen müsste, würde aber an die 2000 Franken kosten. Zudem wäre für die Montage des Sterns ein Pneukran notwendig, sagt er, das werde sicherlich auch etwas kosten.

«Der Stern wird montiert, wenn das Geld zusammen ist», sagt Kirchgemeindepräsident Ernst Zürcher. Voraussichtlich aber erst nächsten Sommer, wenn auch der geplante Mehrzweckbau fertiggestellt ist. Dann gebe es eine Einweihungsfeier. «An dieser Feier sammeln wir dann für den Stern», so Zürcher.

 

Bourbaki-Stein

Hinter der Kirche neben dem Friedhof steht ein Bourbaki-Stein. Er erinnert an die Soldaten der Bourbaki-Armee, die während des Deutsch-Französischen Krieges 1870/1971 in Grosshöchstetten einquartiert waren. Ursprünglich sollte der Stein im Rahmen des Sanierungsprojekts einen neuen Platz bekommen. Doch nun bleibt er, wo er ist. Der geplante Mehrzweckbau neben der Kirche tangiert die Gedenkstätte nun doch nicht. Jedoch ist der Stein stark verwittert und müsste restauriert werden. Im Projektbudget von rund 2 Millionen Franken ist die Restaurierung aber nicht vorgesehen. Auch anderes lag finanziell nicht drin. Deshalb lancierte der Pfarrkreis Grosshöchstetten eine Spendensammlung. Neben Geld für den Stein sollen etwa auch die Mittel für ein Kunst-am-Bau-Projekt an dem neuen Mehrzweckbau gefunden werden

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