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Hotel Moosegg in Schülerhand

Ein etwas anderes Berufswahlprojekt: Die Oberstufenschüler aus Arni und Landiswil wirteten während einer Woche im Hotelbetrieb auf der Moosegg.

Veröffentlicht in der Berner Zeitung am 24.05.2015. Zum Online-Artikel.

Hoch oben in den Emmentaler Hügeln, zwischen Arni und Emmenmatt, liegt das Hotel Moosegg. Wer in der letzten Woche den Gastrobetrieb besuchte, dem ist vielleicht Ungewöhnliches aufgefallen. Vielleicht sah er eine gar junge Person ein Hotelzimmer putzen.

Oder ein Mädchen im Schulalter brachte ihm den Kaffee an den Tisch. Und vielleicht musste er sogar für ein Interview herhalten. Das hatte alles seinen guten Grund: Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe Arni und Landiswil bestritten ihre Berufswahlwoche. Die zwei Dutzend Sekschüler übernahmen für drei Tage den Emmentaler Gastrobetrieb. Also fast.

Denn so ganz liess das Wirtepaar Daniel und Nicole Lehmann sein Hotel nicht aus den Augen: Denn schliesslich lief der Betrieb ganz normal weiter. Auch die beiden Lehrer packten kräftig mit an.

Einfallsreiche Lehrpersonen

Von den zwölf Kindern aus der 9.Klasse haben heute alle eine Lehrstelle oder eine andere Lösung. Gemäss Lehrplan sollte jedoch jedes Jahr eine sogenannte Berufswahlwoche stattfinden. Da die «Wahl» aber oft schon getroffen ist, liessen sich die Lehrpersonen etwas einfallen. Stefanie Mader und Daniel Schüpbach entschieden sich dafür, ihre Schüler in die Welt der Gastronomie zu entführen.

«Wir haben einfach blauäugig verschiedene Betriebe in der Region angefragt», sagt Schüpbach. Ganz überrascht und sehr froh seien sie gewesen, als Daniel Lehmann zugesagt habe. Lehmann: «Wir haben das im Team besprochen. Alle waren damit einverstanden, sich für die Schüler Zeit zu nehmen.»

Acht Gruppen

Nach drei Tagen Zusammenarbeit mit den Schulkindern ist Daniel Lehmann voller Lob. Neugierig und motiviert habe er die Jugendlichen erlebt. «Nicht faul und uninteressiert, wie es die gängigen Klischees uns weismachen wollen.» In acht Gruppen hielten die Schüler den Betrieb am Laufen. Zwei Gruppen wüteten abwechselnd in der Küche. Zu zweit oder zu dritt in zwei Schichten bewirtete das Serviceteam die Gäste im Saal.

Zwei Gruppen assistierten in der Hauswirtschaft, und ein Medienteam dokumentierte die Gastrowoche mit Laptop, Kamera und Mikrofon. Der 9.-Klässler Sebastian Murmann stand im Service im Einsatz. Er sei überrascht gewesen, wie positiv die Gäste auf ihn reagiert hätten, sagt er. Aber wegen der unregelmässigen Arbeitszeiten wolle er später nicht im Gastgewerbe arbeiten.

«Es ist beim Sellerieschneiden passiert», sagt Nina Gerber und zeigt die Wunde an ihrem Finger. Sie gehörte zum Küchenteam und erzählt stolz von der Zitronencrème, die sie gemacht hat. Sie könne sich die Gastronomie durchaus vorstellen, sagt sie. «Als zweite Berufswahl.» Zuerst mache sie ein Praktikum als Kleinkinderzieherin.

Ein Gala-Abend

Das Programm dieser Berufswoche war eng getaktet. Am Montag besuchten die Schüler einen Bauernhof und eine Metzgerei in der Region. Den Rest der Woche waren sie in Siebenstundenschichten im Hotel im Einsatz. Der Höhepunkt aber fand am Donnerstagabend statt: ein Galaabend für die Eltern.

Insgesamt waren das fast sechzig Gäste. Alle bekamen ein Apéro und ein mehrgängiges Menü serviert. Zwischen den Gängen präsentierte die Mediengruppe ihre Aufzeichnungen. Es war ein langer Abend: Erst um 23 Uhr verliessen die letzten Schüler die Moosegg.

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