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Mein Schloss, mein Weingut

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Mit Uhren und Schmuck setzt er Millionen um. Und nebenher handelt er mit Wein. 2012 hat sich Karl-Friedrich Scheufele, Chef des Luxuslabels Chopard, ein Weingut im Bergerac gekauft – jetzt lud er zur Einweihung.

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Karl-Friedrich Scheufele ist der «Kronprinz» des Uhren- und Schmucklabels Chopard. Er ist Milliardär, liebt Wein und sammelt Oldtimer. Was ihm noch fehlte: ein Schloss mit eigenem Weingut. «So resolut hätte ich es nicht ausgedrückt», sagt er. «Aber ja, die Idee, selber Wein anzubauen, geistert schon lange in meinem Kopf herum.» Seit 2012 gehört ihm und seiner Schwester Caroline Scheufele das Château Monestier la Tour im französischen Bergerac. Nach vier Jahren Renovation haben sie nun zur Einweihung geladen. Eines wird gleich klar: Scheufeles wollen auch hier zu den Besten gehören – und sie fangen lieber unten an.

Im Hinterland

Reben, nichts als Reben. Bereits am Ausgang des Flughafens von Bordeaux leuchten die Weinstöcke grün und traubenlos im Sonnenlicht. Dann folgen 100 Kilometer Strasse, gesäumt von Reben, nichts als Reben. Das Bordelais ist das grösste zusammenhängende Weinanbaugebiet der Welt. 1200 Quadratkilometer, fast so gross wie der Kanton Aargau. Doch der Shuttlebus fährt weiter – ins Hinterland, vorbei an Hunderten von Châteaus und Weingütern, durch lauschige Dörfer mit Kirchtürmen und schmucken Kalksteinhäusern. Vorbei an den Hügeln mit ihren Reben und ihren Marken und ihrem guten Ruf, vorbei an Saint-Émilion, dem Mittelalterstädtchen und dem Unesco-Weingut, weiter durchs Département Gironde, rüber ins Dordogne, raus aus der weltberühmten Etikette und hinein ins Bergerac.

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Das Château Monestier la Tour liegt wie eine Perle auf einem Hügel der Appellation Saussiac, zwischen den sanften Hängen des Périgord. Eine Allee führt hinauf zum Schloss, wo Karl-Friedrich Scheufele uns empfängt.

Die Geschichte des Schlosses Monestier geht ins 13. Jahrhundert zurück. Von hiesigem Weinanbau wiederum ist ab 1792 erstmals etwas dokumentiert. Über die Jahrhunderte waren die Ländereien des Dörfchens Monestier im Besitz verschiedener Adelsfamilien, die das Gut und die Weinberge erhielten. Erst 1971 wird die Domaine offiziell zum Weingut erklärt.

1998 nehmen die vorletzten Eigentümer bedeutende Restaurierungen vor und erwecken das Gut zu neuem Leben. Und seit 2012 ist es die Familie Scheufele, die ein weiteres Kapitel der Monestier-Geschichte schreiben will. «Die Region hat mich in den Bann gezogen», sagt der Schlossherr. «Der Ort hat eine eigene Ausstrahlung, die ich nicht richtig beschreiben kann. Aber ich hab mich hier gleich zu Hause gefühlt.»

Der grosse Bruder

Das Bergerac ist ein 1200 Quadratkilometer grosses Weinbaugebiet und liegt nur wenige Kilometer hinter dem weltberühmten Bordelais. Irgendwie passt diese zweite Reihe nicht so recht zur Familie Scheufele und zum Luxuslabel Chopard, einer Uhren- und Schmuckmanufaktur, die zu den renommiertesten der Welt gehört. «Natürlich, ich hätte Möglichkeiten gehabt, auch bekanntere Güter zu übernehmen», sagt Karl-Friedrich Scheufele. «Aber es hat mich gereizt, hier noch etwas zu bewegen. Ich wollte nicht einfach eine Etikette kaufen.» Er hat etwas bewegt: ein neuer Fasskeller, neue Nebengebäude, der Gärkeller, die Lagerräume, der Barriquekeller, all das haben die Scheufeles in den letzten vier Jahren restaurieren, sanieren und bauen lassen. Seit kurzem sind die Arbeiten abgeschlossen.

Die Einweihung der Kellereien ist für Karl-Friedrich Scheufele nicht nur die Erfüllung eines Traums, sondern eine Weiterentwicklung seiner langen Beziehung zum Wein. Der Patron steht stolz im neuen Fasskeller und erinnert sich: «Der Wein liegt in der Familie. Schon unser Grossvater hat immer eine gute Flasche aufgestellt, und wir durften probieren», sagt der 58-Jährige.

Sammeln, handeln, anbauen

Und auch später, als Scheufele vom deutschen Pforzheim in die Schweiz zieht, in Genf eine internationale Matur ablegt, Goldschmied lernt, ein Betriebswirtschaftsstudium abbricht, mit seiner Schwester bei Chopard – ins väterliche Unternehmen – einsteigt, heiratet, selber Vater von zwei Kindern wird, in all dieser Zeit gehörte der Wein als Sammelleidenschaft zu Karl-Friedrich Scheufeles Leben dazu. 1996 baut er die Chopard Manufactures SA in Fleurier auf und lässt das Luxuslabel gemeinsam mit seiner Schwester immer weiter gedeihen, bis es zum grössten familiengeführten Uhrenund Schmuckimperium der Welt wird. Und auch der Wein wird immer mehr zum Geschäft. Aus dem eigenen Weinkeller entsteht eine Weinhandlung, die er 1999 in Genf eröffnet. Inzwischen hat der Laden Ableger in Gstaad und Gland. Stets im Sortiment: die Erzeugnisse des Château Monestier la Tour. «Wenn man jahrelang mit Wein gehandelt und ihn verkauft hat», sagt Scheufele, «dann ist es eine natürliche Steigerung, selber Wein anzubauen.»

Und anbauen, das tut er jetzt. 24 Hektaren Rebfläche sind es auf Gut Monestier, 15 davon Rotweinsorten. Der grösste Teil sind Merlot-Trauben, dann Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon. Auf 10 Hektaren gibt es Sémillon-, Sauvignon-blanc- und Muscadelle-Trauben, für die Weissweinproduktion. Pro Jahr produziert das Weingut rund 130 000 Flaschen, die Hälfte davon Weisswein, ein Drittel Rotwein und rund 10 000 Flaschen Rosé.

Er kann warten

Biodynamie ist das Schlagwort, mit dem Scheufeles auch hier nichts anderes anstreben als eine goldene Zukunft. «Erst mal hoffe ich, dass wir innerhalb unserer Appellation bald mit zu den Besten gehören», sagt er. «Und dass wir so vor allem das Bergerac bekannter machen.» Biodynamischer Weinbau ist in Frankreich en vogue. Der Weinberg wird dabei als lebendiger Organismus geführt. In Monestier la Tour liessen Scheufeles eigens einen Garten anlegen, mit verschiedenen Pflanzen, welche die Reben bei ihrem Wachstum unterstützen. So werden etwa Zinnkraut oder Schachtelhalm eingesetzt, um überschüssiges Wasser im Boden zu kompensieren, oder Brennnesseln, um einen zu kalten Boden aufzuwärmen.

Der erste biodynamische Rotwein von Château Monestier la Tour reift derzeit noch in den Fässern. Es dauert lange, bis ein Betrieb auf Biodynamie umgestellt ist. Aber Karl-Friedrich Scheufele hat Erfahrung mit Warten. «Auch im Uhrengeschäft investiert man langfristig», sagt er. «Wenn man ein neues Uhrwerk kreiert, kann es lange dauern, bis es ticktack macht. Und genauso ist es hier. Wenn sie einen Weinberg restrukturieren, wie wir es machen, dauert das Jahre.» Der Rotwein wird erst diesen Herbst aus den Fässern geholt. Biodynamischer Weisswein und Rosé aber, den gibt es schon. 

 

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