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Stillleben mit Milchkanne, Hund und Ross

Fotoshooting fuer den Bauernkalender. Teilnehmer Brian Mosimann. © Susanne Keller / suk
Fotoshooting fuer den Bauernkalender. Teilnehmer Brian Mosimann. © Susanne Keller / suk

Seit 2005 erscheinen jedes Jahr zwei Bauernkalender. Einer mit Männern und einer mit Frauen. Am Wochenende war Shooting für die Ausgabe 2017. Hinter den Kulissen wars zuerst lustig und dann schön.

Erschienen in der Berner Zeitung 28. Juni 2016

«Ist er nass?», fragt Mike Helmy. «Nein», sagt die Assistentin. «Macht ihn nass!» – «Mit Wasser oder Babyöl?» – «Beidem!» Fotoshootings sind eine lustige Sache. Am Wochenende wurden die Auserwählten für die 13. Ausgabe des Bauernkalenders abgelichtet. Wir waren dabei, als «der schönste Teilnehmer» sich selber x-mal mit Milch übergiessen musste und die älteste Teilnehmerin sich von einem Hengst den Blumenkranz vom Kopf fressen liess.

Dass Brian Mosimann der Schönste sein soll, geht nicht etwa auf die Urteilskraft des Journalisten zurück. Nein. Das Fotoshootingteam von Mike Helmy, der den Kalender seit 2005 produziert, besteht aus zwei Männern und sechs Frauen. Alle sechs waren sich einig: «Er ist es.»

Mosimann ist 23 Jahre alt, kommt aus dem solothurnischen Trimbach, hat eine Bauernlehre gemacht, war im Militär Hundeführer, hilft hier und da auf Bauernhöfen aus, arbeitet als Kanalreiniger und träumt davon, Polizist zu werden. Er sagt: «Mein Leben aber ist mein Hund.» Chips heisst sein Schäferrüde, der ihm seit seinen Tagen im Militär nicht mehr von der Seite weicht. Und so kam Chips auch mit zum Shooting auf den Hof von Peter Meister in Bühlikofen bei Zollikofen.

«Keine Wurst machen!»

Stillleben mit Milchkanne, Hund und Kalb. So könnte man umschreiben, was sich Mike Helmy und die Münchner Fotografin Sylwia Makris für Brian Mosimann ausgedacht haben. Er sitzt auf einem Brunnenrand. Mit der einen Hand hält er an einem Seil ein Kalb, das keinen Namen hat, aber eine Nummer trägt: 3043. Mit der anderen streichelt er seinen Hund. Es dauert eine Weile, bis die Tiere stillhalten. Chips stört sich am Brunnenwasser und 3043 an den vielen Leuten. Als sie dann doch zur Ruhe kommen, ist Mosimann eben nicht mehr nass genug. Die Assistentinnen kommen angerannt.

 

Dann aber gehts los. Klick, klick, klick. Nach zehn Minuten sagt Helmy: «Bringt jetzt die Milch.» Das Kalb wird abgeführt. Mosimann bekommt ein Kännchen Milch. Er übergiesst sich damit. Jetzt hat sich auch Chips’ Laune gebessert. Vergnügt leckt er die weisse Flüssigkeit von seinem Herrchen. «Augen offen halten, auch wenns brennt», ruft Helmy. Klick, klick, klick. «Und keine Wurst machen!», sagt er zu dem jungen Mann, der 1,83 Meter gross ist, 75 Kilogramm wiegt und so wenig Körperfettanteil hat, wie es heute Zinsen auf einem Sparkonto gibt. Klick, klick, klick. Nach einer knappen Stunde und fünfzehn Kännchen Milch ist der Spuk vorbei. «Eine tolle Erfahrung», sagt Mosimann. «Hauptsache, der Hund war dabei.»

Nackte Frau auf Pferd

«Nacktbilder?», fragt Cornelia Schenk. «Theoretisch nein.» Cornelia Schenk ist mit ihren 38 Jahren die älteste Teilnehmerin. «Ich bin ganz einfach stolz», sagt sie. Und ein wenig verrückt sei das ja schon. «Am Morgen schaust du in den Spiegel und siehst eine ganz normale Frau und Mutter, später sitzt du nackt auf einem Hengst.» Cornelia Schenk kommt aus St. Stephan im Berner Oberland. Mit ihrem Mann Christian bewirtschaftet sie 24 Hektaren Land. Sie hat drei Kinder, Piercings und ist grossflächig tätowiert. Hobbys? «Motorradfahren, Reiten, Bogenschiessen.» Cornelia Schenk ist aus zwei Gründen am Shooting. «Ich mochte den Bauernkalender schon immer», sagt sie. Und: «Die einzige gute Aufnahme, die es von mir gibt, ist unser Hochzeitsfoto.» Ihr Mann flehe sie seit Jahren an, das zu ändern.

Und das tut sie jetzt. Im Casting war sie noch mit ihrer Triumph-Daytona-Maschine aufgetreten. Jetzt hat sie einen Hengst mitgebracht. Ein Friese, 6 Jahre alt, er heisst Aaron. «Nackt auf Pferd mit Blumenkranz auf dem Kopf», Cornelia Schenk weiss, was auf sie zukommt. Noch bevor sie dann aber hüllenlos auf Aaron klettern kann, schnappt er nach dem Kranz aus Römischer Kamille und reisst ihn von ihrem Kopf. Gelächter. Unterbruch. Das Gesteck wird repariert. Dann wird eine Leiter zu Aaron hingestellt, Cornelia Schenk zieht ihr Hemd aus, steigt auf, und dann: wird alles ruhig und schön. Aaron wiehert noch ein letztes Mal, dann schweigt auch er. Cornelia Schenk legt ihren Kopf an seinen Hals und flüstert ihm etwas zu. Man staunt und ist berührt. Klick. Klick. Klick.

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